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EINE (MIKRO)ÖKONOMISCHE WELTGESCHICHTE, GETANZT

BNN, Michael Hübl, 29.06.2013

Ein schöner Moment in der Karlsruher Produktion „Eine (mikro)ökonomische Weltgeschichte, getanzt“ ist der Schluss. Da tritt Shari Crosson ans Mikro, klampft etwas zu lässig, aber singt mit betörend souliger, samten abgründiger Stimme „Knock, knock, knocking on heaven’s door“. Der Song von Bob Dylan ist eigentlich eine langweilige Schnulze, aber Shari Crosson bringt ihn mit einer unangestrengten Intensität, dass zumindest die Strophen unter die Haut gehen.
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Die Inszenierung setzt sich aus mehreren höchst unterschiedlichen Komponenten zusammen. Da gibt es die poetische Ebene – zarte Gedichte, von denen eines gleich zu Beginn sehr eindringlich von Ute Baggeröhr rezitiert wird. Verfasst hat die lyrischen Einschübe Pascal Rambert; …
Der Tanz bildet die zweite Ebene, ausgeführt von Laiendarstellern, die mal als Räderwerk einer Rechenmaschine, mal als Manufakturarbeiter oder als kreative Freizeitliteraten auftreten. Sie tragen Kleidung in kräftigen Farben, so dass sich durch die Bewegung der (zusammen mit den Schauspielerinnen) insgesamt 50 Akteure optisch frische Bilder ergeben. Sie sind ein weiterer schöner Moment in der ansonsten einigermaßen zweifelhaften Veranstaltung.
Ihre Zweifelhaftigkeit liegt in den Theorie-Teilen.

Nach Art von TV-Wissenschaftsshows wird suggeriert, man habe das Publikum schlauer gemacht – aber was bleibt, sind einige Spielszenen (an denen neben Baggeröhr und Crosson Stephanie Biesolt und Cornelia Gröschel mitwirken), schöner Chorgesang und ansonsten: der Hinweis, dass die Krise weiterbestehen wird, ein paar schwammige Bekundungen zur Freiheit und Tipps wie den, man könne Pfandhäuser umnutzen, indem man seine Juwelen hinbringt, um die Kosten für einen Tresor zu sparen: eine Anregung die bei Hartz-IV-Empfängern sicher neue Hoffnung weckt. Eins immerhin macht die Produktion deutlich: Es bleibt einiges zu tun, bevor es daran gehen kann, an die Himmelspforte zu klopfen.

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