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AM FALSCHEN ORT

BNN, Markus Mertens, 02.07.2013

All die Hoffnungen und Wünsche: der Diskriminierung im Iran entkommen, aus dem reaktionären Afghanistan flüchten, dem Krieg im Irak entgehen oder nach Jahren in Usbekistan einfach nur in einer eigenen Wohnung leben. In Rumänien. Allzu menschlich und doch so fern – diese Traumgedanken. Stattdessen: Endlosigkeit. Alles zieht sich dahin, die Zeit zerfließt. Keine Familien warten mehr auf sie. Kriege und Krankheiten haben sie dahingerafft. Das sagt sich so leicht und schneidet doch so tief ins Herz.

Es tut weh das Unsagbare in derart nüchterner, dokumentarischer Art und Weise zu erleben, denn nicht nur der Text, mit dem Monica Marinescu und David Schwartz in Bukarest den Dramatikerwettbewerb „Über Grenzen sprechen“ gewannen, kennt kein Mitleid. Auch die zurückhaltend, aber wohlüberlegte, fast kühle Regie von Manuel Braun tut ihre unheilvolle Wirkung. Doch ist genau das nötig und so bärenstark an diesen 75 Minuten großen Theaters. Weil eben auch die Realität keine Schonung kennt. Heillos zergliedert sich das Ich und bricht auf. So weit, dass stellenweise alle fünf den gleichen Text sprechen, als wären sie alle dieser eine, der da redet. Nichts mehr zu verlieren. „Wir werden nicht mehr nur irgendwelche Afghanen sein!“, ruft Jamal in den Himmel.
Der Stachel im Publikum sitzt tief. Heftig und massiv ist es bestürmt worden, von der Überwältigungskraft fünfer Schauspieler umtost an diesem Uraufführungs-Abend. Man verdrückt eine Träne, als Samira die schlaffen Körper zu einer Umarmung aneinanderlegt. Ein verzweifelter Akt hoffnungsloser Liebe und nur ein Moment von so vielen dieses Stückes, die nicht vergehen werden.

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