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BORDER

Badische Neueste Nachrichten, Markus Mertens, 19.04.2013

... Fast eindreiviertel packende Stunden haben da schon fast ihr Ende gefunden. Und das liegt nicht nur an der Dynamik, mit der sich die hässliche, dreckige Handlung entfaltet, sondern vor allem an der Dichte, die diesem Stoff innewohnt. Ob sich der phänomenal druckvolle Chor während seines unheilvollen Sangs wie auf verlorenen Straßen durch die heimatlosen Gitter-Käfige (Bühne: Fred Pommerehn) quält, oder das kleine Orchester unter der Leitung von Steven Moore die schrille Absurdität grenzenlosen Hasses in den Ton fasst – in jeder Sekunde wird der (junge) Zuschauer gebannt. Es tut gut, dass dabei auch Momente bleiben, in denen die trostlose Atmosphäre Platz greifen darf und nicht von Arien durchbrochen wird. Denn so kann man ganz ohne theatralische Überfrachtung Eindruck machen. Auch gesanglich weiß fast das ganze Ensemble zu überzeugen. Zuvorderst sind da Jennifer Riedel – die mit ihrem sternklaren Sopran hoch über allen thront – und der abgründig Schrecken einflößende Gesang von Florian Kontschak zu nennen. Doch bis auf Armin Kolarczyk, der einen eher flachbrüstigen Iolaos gibt, machen alle ihre Sache gut bis sehr gut. Und durch den Chor sind Karlsruher Jugendliche auch direkt in die Handlung integ- riert: Er besteht zum großen Teil aus Mitgliedern der Chöre Cantus Juvenum und Lutherana.
Dass im Handgemenge der Masse zum Schluss gerade Makaria, die doch gerettet werden sollte, ihr Leben lassen muss, können jedoch auch die schönsten Töne nicht verhindern. Am Ende muss der Funke Hoffnung auf Freiheit für Farid und Abiah ebenso ertrinken wie die Aussicht auf Liebe für Manol. Sein Suizid ist der niederschmetternde Preis für verlorene Menschlichkeit. Und obwohl diese Oper ein so pessimistisches, auch gesellschaftsskeptisches Ende nimmt, brandet der Jubel in Scharen auf. Nein, das ist kein Anstandsapplaus, so klatschen junge Menschen nur, wenn sie ehrlich berührt sind und erreicht wurden. Das ist nicht nur für Karlsruhe ein Zeichen. Denn es ist ein komplexes Wagnis, junge Opern mit Anspruch auf die Bühne zu bringen. Doch Werke wie „Border“ zeigen nicht nur, dass dieses Unterfangen möglich ist, sondern auch, dass es davon noch viel mehr geben muss.

Badisches Tagblatt, Nike Luber, 19.04.2013

Was an der Karlsruher Inszenierung durch Ulrike Stöck als erstes auffällt, sind die vielen Jugendlichen. Sie sind die ganze Zeit auf der offenen Bühne präsent, sozusagen als lebendes, sprechendes und singendes Bühnenbild. Ständig müssen die durchsichtigen Container, mit denen Bühnenbildner Fred Pommerehn die ansonsten kahle Bühne ausgestattet hat, neu arrangiert werden. Das sorgt für viel Bewegung, die zum Inhalt allerdings nicht allzu viel beiträgt. Um die Jugendlichen und die Handlung zu verknüpfen, lässt die Regisseurin einige von ihnen kurz aus ihrem Leben erzählen. Dafür wurden bestens integrierte Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgewählt.
Zwischen den vielen Jugendlichen sind die Solisten unterwegs. Alle auch modern gekleidet, aber in Weiß. Das hebt sich ab, erinnert aber auch an einen Medizinerkongress. Ohnehin sind die Opernsänger deutlich erwachsener, das lässt sich einfach nicht vermeiden. Denn Ludger Vollmer hat, bei aller Rücksichtnahme auf das angestrebte Publikum ab 14, kein Musical komponiert, sondern eine echte Oper. Jennifer Riedel singt die hohe Partie der Makaria intonationssicher.

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