Navigation einblenden

TSCHICK

BNN, Ute Eppinger, 06.02.2012

...In der Bühnenfassung von Robert Koall feierte Wolfgang Herrndorfs wunderbarer Jugend- und Abenteuerroman „Tschick“ am Jungen Staatstheater Karlsruhe in der Insel seine gelungene Premiere. Herrndorfs Mischung aus J. D. Salingers „Fänger im Roggen“ und Mark Twains „Huckleberry Finn“ inszenierte Spartenleiterin Ulrike Stöck frisch, mitreißend und mit großartigen Darstellern…Es ist das alte Spiel mit der Imagination: Nur weil man einen Ort nicht kennt, heißt es ja nicht, dass es ihn nicht gibt, Brigit Kofmel entwirft auf der Insel-Bühne mit sparsamen Mitteln eine Minimalutopie. Da reichen auch paar Plastikeimer, Wasser, Gartenschlauch, Klamotten, Decken, eine gelbe Rutsche, ein kleines Auto...Katharina Wawrik gibt ihrem kurzen Auftritt als Isa denselben souveränen Habitus jugendlicher Sorglosigkeit wie ihre Kollegen...Und die Zuschauer? Die wollten Wawrik, Wegner und Lienhard fast nicht mehr von der Bühne lassen und waren fasziniert, wie Orte aus dem Nichts auftauchen: Klassenzimmer, Swimmingpool, Schluchten, Autobahnraststätten und Müllkippen. Ja, wie eine ganze Welt Platz findet auf einer kleinen Bühne mit ein paar Requisiten. Eine reizvolle Inszenierung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 09.02.2012

…Dabei ist das Geschehen, wie es im Roman vorgezeichnet ist und das in der Bühnenfassung um einige Figuren und Episoden gekürzt wurde, bunt und interessant genug. Die Regie jedoch mag sich darauf nicht ganz verlassen, spielt kontrastierende Video-Sequenzen (von Carsten Gebhardt) ein und jagt vor allem die jungen Spieler 100 Minuten lang durch atemlose, unterhaltsam gemeinte Ochsentouren komödiantischen Overkills, an deren Ende die Bühne geflutet, die Requisiten zertrümmert, saftige Tiefkühl-Brombeeren zu farbigem Matsch zerquetscht und die Spieler durchnässt sind. Dem Publikum, in dem auch die Zielgruppe vertreten war, gefiel diese wüste Sudeltour, wie sie zu den Höhepunkten eines jeden „richtig guten“ Kindergeburtstages mit Tortenschlacht und Wasserspielen gehören mag, ausnehmend gut. Die Besucher feierten zum Schluss Ralf Wegener, der den linkischen, verklemmten Maik zu einem nicht mehr ganz so kindischen Jungmann entwickelt, aber auch Natanaël Lienhard als verführerisch „wilden“ Tschick, der allmählich seiner sanfteren Gefühle offenbart, und Katharina Wawrik als burschikose Isa, die von erwachenden Liebesgefühlen beunruhigt ist, mit nachdrücklichem Beifall.

Badisches Tagblatt, Georg Patzer, 08.02.2012

...Im Jungen Staatstheater Karlsruhe in der „Insel“ hat Ulrike Stöck das Stück (Fassung: Robert Koall) nach dem Roman mit einfachen Mitteln inszeniert, mit vielen Plastikeimern, einem Gartenschlauch und vor allem einer großen gelben Röhre, durch die die beiden Jungs immer wieder nach unten sausen (Bühne: Brigit Kofmel). Maik erzählt die Geschichte seines Aufbruchssommers und seiner ersten Liebe, gleichzeitig spielt er sie, mit Tschick und Isa zusammen. Es gibt derbe und rotzige Töne, tastend freundschaftliche und ein paar seltene und eigentlich nicht recht passende poetische Anklänge („Kabel hängen herab wie nasse Haare“).
...Das ist alles sehr leicht und witzig gemacht, auch wenn die dahinterstehenden Probleme wie Alkoholismus und Ausländerfeindlichkeit, Gewalt und Armut nie verschwiegen werden. Die Skurrilität, auch der Personen, die sie treffen, die ihnen stets helfen und die nur von Maik erzählt werden, überwiegt aber. Die eingespielten, mit viel Fingerzeigen versehenen Videos dagegen sind ziemlich unnötig, sie illustrieren nur, was im Stück sowieso vorkommt – hier ist wieder einmal der Hang junger Regisseure zum technischen Herumgespiele zu sehen.

Navigation einblenden