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DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN

nach Peter Sloterdijk. URAUFFÜHRUNG
EINMALIGE WIEDERAUFNAHME
29.06.2013 GARTENSAAL, SCHLOSS KARLSRUHE

In seinem Buch Du mußt dein Leben ändern nimmt der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk das Rilke-Gedicht Archaischer Torso Apollos zum Ausgangspunkt und Antrieb einer Studie über den modernen Menschen und dessen Neuorientierung. Der im Gedicht beschriebene Torso ist „vollkommen“, da er sich im Blick des Betrachters vervollständigt, und seine Teile geben diesen Blick zurück: „Denn da ist keine Stelle,/ die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.“

Ist der letzte Satz des Gedichts eine Aufforderung des zurückschauenden Torsos an seinen Betrachter? Oder die Rilkes an den Leser seines Gedichts? Oder ist es die Selbsterkenntnis des Betrachters oder Lesers angesichts der Anschauung des Kunstwerks? Du mußt dein Leben ändern ist ein Plädoyer für die übende Aktivität von Individuen und Kollektiven: Wir bilden uns durch Exerzitien in der Kunst und im Leben selbst. Anhand einer Typologie übender Menschen wie des Bauern, Arbeiters, Kriegers, yogis oder auch des Models entwirft Sloterdijk seine Anthropologie.

DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN ist zudem das Motto der nächsten fünf Spielzeiten am STAATSTHEATER KARLSRUHE, verstanden als Aufforderung an Theatermacher und Zuschauer gleichermaßen. Was üben wir? Wie wollen wir unser Leben ändern? Was ist die Rolle der Kunst dabei? Der Regisseur Patrick Wengenroth wird zum Auftakt der Spielzeit 11/12 mit Schauspielern des Ensembles Sloterdijks Buch und seine Thesen auf die Bühne bringen. Zwischen Hommage und kritischer Durchleuchtung, zwischen praktischer Anwendung der Theorie und theoretischen Überlegungen zur Praxis wird Du musst dein Leben ändern zum programmatischen Auftakt der Spielzeit 11/12.

Als Erfinder des Theaterformats Planet Porno hat sich Patrick Wengenroth seit 2003 als Spezialist für intelligent-ironische Zitat-Montagen und Dekonstruktion der deutschen Medien-öffentlichkeit einen Namen gemacht. Zwischen Schauspiel, Performance und Standup-Comedy, montiert mit Zitaten aus Interviews, Fernsehauftritten, Zeitungskolumnen oder Autobiografien, entsteht ein Kaleidoskop deutscher Wirklichkeit. Planet Porno wurde 2005 zum Festival „Impulse“, dem Theater-treffen der freien Theaterszene, eingeladen und 2006 für die Vorauswahl des Berliner Theatertreffens nominiert. Seit 2009 wendet sich Patrick Wengenroth an der Berliner Schaubühne auch den „alten Meistern“ zu und inszenierte die dreiteilige Reihe Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? nach Friedrich Schiller und den Brecht-Abend Was? – Ist das episches Theater? Patrick Wengenroth realisierte zuletzt Inszenierungen u. a. am Hebbel am Ufer in Berlin und am Theater Oberhausen. Er ist außerdem Übersetzer des argentinischen Dramatikers Rafael Spregelburd.

REGIE Patrick Wengenroth AUSSTATTUNG Ulrike Gutbrod MUSIKALISCHE LEITUNG Matthias Kloppe DRAMATURGIE Nina Steinhilber

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