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EFFI BRIEST

nach dem Roman von Theodor Fontane
Gastspiel WLB ESSLINGEN
GASTSPIEL WLB ESSLINGEN
09.05.2013 KLEINES HAUS

EFFI BRIEST

Die Rolle der Frau zur Wende ins 20. Jahrhundert war im Umbruch. Die Frau, das unbekannte Wesen – bei Fontane ist sie im Fokus in einer rationalen Zeit der Industrialisierung und Internationalisierung, die den (noch) vorherrschenden preußischen Tugenden die Entdeckung des Unbewußten entgegensetzt: Effi Briest, Tochter aus gutem und sehr liberalem Haus, ist 17 Jahre alt, als Baron von Instetten um ihre Hand anhält. Sie ist bereit diesen über 20 Jahre älteren Mann zu heiraten, eine gute Partie, gewandt und schneidig, den bereits ihre Mutter in engerer Wahl hatte. Sie malt sich mit blühender Fantasie ihre Ehe und ein Leben in Kessin an der Ostseeküste aus. Sie liebt das Exotische, das Aparte, die Abwechselung, er vor allem seine Prinzipien.
Gleichzeitig hat sie einen Hang zum Abgründigen, und dunkle Ahnungen und Ängste greifen sich Raum, für die sie noch keine Begriffe hat. Doch verlobt und dann verheiratet, lockt zunächst das Leben. In Kessin angekommen, verdichten sich Effis Ahnungen zu düsteren Bildern und angstvollen Träumen – ein chinesischer Diener erscheint nachts am Bett, Effi hört Geräusche, die sie sich nicht erklären kann. Mit der Zeit wird ihr bewusst, wie einsam sie sich in dieser Ehe fühlt, und dass durch die gewisse Kälte ihres Mannes ihre Bedürfnisse unbefriedigt bleiben. Lieben zu können wird zu einer quälenden Sehnsucht, denn weder sich selbst noch Freunden oder ihrer Tochter Annie gegenüber gelingt ihr das. Effi gerät psychologisch wie gesellschaftlich gesehen mehr und mehr in einen Sog. Da taucht mit Major Crampas eine Versuchung auf, die Flucht bedeutet, aber auch Untergang…
Die Regisseurin Sandrine Hutinet, die an der WLB zuletzt Arthur Millers Hexenjagd inszenierte, interessiert an Theodor Fontanes Roman Effi Briest, der zu seinen bekanntesten zählt, weniger die historische Perspektive des ausgehenden 19. Jahrhunderts als vielmehr die grundsätzliche und jedes Individuum betreffende Frage nach dem Glück: Warum können einige Menschen glücklich sein und andere nicht? Theodor Fontanes Romane gelten als detailreiche Gesellschaftsstudien des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Berlin und Preußische Tugenden, Bismarcks Sozialpolitik und ein ironischer Blick auf den Bedeutungsverlust des Adelsstandes, dazu Heimat stiftende Landschaftsschilderungen ergänzen die Perspektive historischer Forschungen. In diesem Kontext bewegen sich Fontanes Figuren. Besonders die Frauenfiguren sind in einem für Fontane typischen Dazwischen zeitlos brillant beschrieben – Ungesagtes klingt zwischen den Zeilen an. Sieben seiner 17 Romane, die Fontane erst nach Erreichen des 60. Lebensjahres schrieb, tragen einen Frauennamen im Titel. Effi Briest ist der wohl bekannteste. Seit 1895, bereits beim Erscheinen, ein durchschlagender Erfolg, genießt der Roman einen Sonderstatus: ungeliebter Schulstoff und überraschende Wiederentdeckung in späteren Jahren.

Württembergische Landesbühne Esslingen
Dramaturgie/ Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit

REGIE Sandrine Hutinet BÜHNE Nicolaus-Johannes Heyse KOSTÜME Christine Haller MUSIK Goulven Derrien DRAMATURGIE Sandra Bringer

MIT Lara Beckmann (Effi Briest), Kristin Göpfert (Louise von Briest / Johanna), Margarita Wiesner (Hulda / Roswitha / Marietta Tripelli), Nikolaos Eleftheriadis (Herr von Briest / Alonzo Gieshübler / Starost), Ralph Hönicke (Geert Baron von Innstetten), Matthias Zajgier (Major von Crampas)

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