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FELIX MOTTL & COSIMA WAGNER

Vortrag von Hannes Heer

03.06.2013 STUDIO

Die 2012 auf dem Grünen Hügel gezeigte Ausstellung „Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die Juden 1876 bis 1945“ präsentiert der Öffentlichkeit die bisher gerne übersehene Tatsache, dass lange vor 1933 die Besetzungspolitik Cosima und Siegfried Wagners bei den Festspielen von Judenhass und Rassenideologie geprägt war. Zahlreiche jüdische Künstlerinnen und Künstler wurden aus „rassischen“ Gründen gar nicht erst oder nur in bestimmten Rollen engagiert. Cosima, die nach Richard Wagners Tod die Festspielidee erbte und daraus erst das Format des bis heute weltberühmten Opernfestivals machte, fand in Felix Mottl, dem Musikdirektor des Karlsruher Hoftheaters, ihren wichtigsten Mitarbeiter. Er hatte als Richard Wagners Assistent an der Vorbereitung der Uraufführung von Der Ring des Nibelungen 1876 mitgewirkt und wurde von Cosima als Dirigent nach Bayreuth verpflichtet, als sie zehn Jahre später als Regisseurin und Festspielleiterin mit Tristan und Isolde erstmals die Bühne betrat. Mottl war ihr Lieblingsdirigent, wichtigster Gesprächspartner in Kunstfragen und tatkräftiger Unterstützer ihres judenfeindlichen Kurses, dessen Motto von ihm stammte – „Wenn es nicht sein muss, wollen wir doch die Juden außen lassen!“ Dieser Maxime folgend machten sie Die Meistersinger von Nürnberg, die unter seinem Dirigat 1888 in Bayreuth ihre Premiere erlebten, zur ersten „judenfreien Aufführung“ der deutschen Theatergeschichte.
Hannes Heer, der Kurator der Ausstellung „Verstummte Stimmen“ in Bayreuth, wird in seinem Vortrag „Antisemitische Besetzungspolitik in der Ära Cosima Wagner und Felix Mottl“ die verhängnisvolle Liaison der beiden Künstler anhand ihrer Korrespondenz beleuchten und dabei auch an diejenigen Karlsruher Ensemblemitglieder erinnern, die zu Opfern dieser Politik der Diffamierung und Ausgrenzung wurden.

In Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Verband.

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