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DAS THEREMIN

Luftmusik eines Geheimagenten
Zusatztermin aufgrund des großen Interesses!

15.11.2012 STUDIO

DAS THEREMIN

Im Musical Alice fasziniert das exotische Theremin seit der Premiere im September das Publikum im KLEINEN HAUS mit seiner "bezirzend außerweltlichen Klangdimension" (BNN). Der musikalische Leiter der Alice-Produktion und Thereminist Clemens Rynkowski stellt nun in einer Sonderveranstaltung im STUDIO das ungewöhnliche elektronische Instrument und die bewegte Geschichte seines Erfinders vor, des russischen Cellisten, Physikers und Geheimagenten Leon Theremin (Lew Termen). Rynkowski, der u. a. bei Lydia Kavina, der Großnichte des Erfinders gelernt hat, zeigt Ausschnitte aus dem Film Theremin – An Electronic Odyssey (Filmausschnitte in englischer Sprache mit englischen Untertiteln) und enthüllt in einem Theremin-Abend zum Sehen, Hören und Ausprobieren, was hinter dem visuellen und akustischen Zauber steckt, der die Menschen seit bald hundert Jahren in seinen Bann zieht.

1919 im Labor für elektrische Schwingungen erfunden, ist das Theremin bis heute das einzige Instrument, das vollständig berührungslos, also in der Luft gespielt wird. Es gilt als Wegbereiter der elektronischen Musik, als Vorläufer aller später aufkommenden Synthesizer und wurde seit den Dreißiger Jahren häufig für spezielle Sounds in Filmen, vor allem Grusel- und Science Fiction-Filmen eingesetzt. Allerdings gab es von Beginn an auch einige wenige Virtuosen auf dem Theremin, eine der ersten war die Konzertvirtuosin Clara Rockmore. Theremin – An Electronic Odyssey unternimmt mit Interviews, Filmmaterial und Zeitzeugenberichten eine aufregende Reise in die Welt des Theremins, beginnend in den Zwanziger und Dreißiger Jahren, als das neuartige Instrument und seine "Geistermusik" das Publikum erstmals in die Konzerthäuser lockte.

Die Geschichte eines „sowjetischen Faust“

Der Cellist und Physiker Leon Theremin ließ sich 1928 in New York nieder, wo er mit einer Art Science-Fiction-Studio und neuesten, für die damalige Zeit revolutionären, „Spielsachen“ auf sich aufmerksam machte. 1938 verschwand er unter mysteriösen Umständen. Wie sich später herausstellen sollte, war er in der Sowjetunion wegen antisowjetischer Propaganda verhaftet und zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Von einem sibirischen Gulag kam er in eine Akademie für gefangene Wissenschaftler in Moskau, wo er an der Entwicklung von Flugzeugen arbeitete. Die Erfindung einer der ersten Wanzen für den KGB bescherte ihm den Stalinorden Erster Klasse und die Möglichkeit, sein Gefängnis zu verlassen. Dennoch arbeitete er weiter für den sowjetischen Geheimdienst und als er 1964 wieder auftauchte, war er sowohl außerhalb als auch innerhalb der Sowjetunion in Vergessenheit geraten, seine Titel und Auszeichnungen waren ihm während seiner aktiven Zeit für den KGB aberkannt worden. 1964 wurde Leon Theremin Direktor der Abteilung für akustische Forschung am Konservatorium in Moskau, Mitte der 1960er nahm er außerdem seine Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Musikern im Studio für elektronische Musik des Skrjabin-Museums auf und begann wieder, neue elektronische Instrumente zu entwickeln und seine alten Instrumente weiterzuentwickeln. Anfang der 1990er Jahre erhielt er verschiedene internationale Ehrungen und führte sein Theremin auf Reisen vor. 1993 starb Leon Theremin im Alter von 97 Jahren in Moskau.

MIT Clemens Rynkowski, Robert Besta und François Salignat

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