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DER GASTFREUND / DIE ARGONAUTEN

Kulturstiftung des BundesEin VOLKSTHEATER-Projekt nach Franz Grillparzer - Gefördert im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes, mit Unterstützung der Gesellschaft der Freunde des Staatstheaters
WIEDERAUFNAHME
26.01.2013 KLEINES HAUS

DER GASTFREUND / DIE ARGONAUTEN

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Die Gastfreundschaft: Sie gehört zum guten Ton, ist eine Verabredung, die zu verschiedenen Zeiten in beinahe allen Kulturen dem reisenden Helden eine freundliche Aufnahme zusichert, ganz egal an welchen Gestaden er sein Schiff ankert. Bei nomadischen Stämmen betrug die Dauer der Gastfreundschaft drei Tage und vier Stunden, der Volksmund hält es mit dem Gast wie mit dem Fisch: auch der beginnt nach drei Tagen zu stinken. Ein israelisches Sprichwort sagt: „Wer Gastfreundschaft übt, bewirtet Gott selbst“. In der Bibel ist die offenherzige Aufnahme Fremder ein unumstößlicher Imperativ. „Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren.“ Friedrich Nietzsche urteilt eher nutzenorientiert und sieht den Sinn der Gastfreundschaft darin, „das Feindliche im Fremden zu lähmen.“

Im Licht der Debatten über Integration und Migration, Interkultur und Transkultur lohnt es sich, einen alten Begriff neu zu lesen. Was bedeutet Gastfreundschaft für uns heute? Nach welchen Regeln werden wir als Gäste aufgenommen oder gewähren wir anderen die Gastfreundschaft? Was für ein Raum entsteht zwischen Gästen und Gastgebern? Was für Rechte und Pflichten hat der Gast und welche der Gastgeber? Wie gastfreundlich ist ein Land, eine Stadt? Und wem gegenüber? Manche unserer „Gäste“ werden heute von der Tourismusindustrie verwöhnt, andere wegen des Fachkräftemangels heftig umworben, wieder andere erwarten Container, Essensmarken und eine restriktive Asylpolitik.

„Gastfreundschaft“ ist das zentrale Thema in Franz Grillparzers Argonautentrilogie „Das goldene Vliess“ – allerdings als Geschichte eines Scheiterns. Im ersten und zweiten Teil der Trilogie, DER GASTFREUND und DIE ARGONAUTEN, beschreibt Grillparzer jeweils das Eindringen von zwei griechischen Helden, Phryxus und Jason, auf Kolchis, und das Scheitern der Gastfreundschaft als Versuch einer Begegnung. Die Gastfreundschaft in der Argonautentrilogie scheitert an einer Kultur, die alles Fremde als Bedrohung empfindet und mit der Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ gegen Ankömmlinge vorgeht.
Wie sieht es heute aus mit der Aufnahme von Neuankömmlingen aus aller Herren Länder? Was sind die Vorraussetzungen, die geschaffen werden müssen, um Gastfreundschaft möglich zu machen? Oder muss die voraussetzungslose Gastfreundschaft selbst das Mittel sein, um Vorurteile und Feindlichkeit abzubauen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen?

DER GASTFREUND und DIE ARGONAUTEN sind der Ausgangspunkt unserer Auseinandersetzung mit dem Thema „Gastfreundschaft“, der archaische Stoff dient als Reibungsfläche und als Material. In Karlsruhe gehen wir auf die Suche nach neuen, ähnlichen oder ganz anderen Geschichten über Gastfreundschaft, nach ihren Möglichkeiten und Voraussetzungen.

Welche Erzählungen und Mythen über Gastfreundschaft, über das Reisen, über das Ankommen und Aufgenommen oder Abgewiesen werden gibt es in verschiedenen Kulturen? Welche davon haben mit unserem Leben heute zu tun, können ein Spiegel sein - oder eine Anleitung des Zusammenlebens?

REGIE Mareike Mikat MUSIK Peter Schneider
BÜHNE
Simone Manthey
Kostüme Maike Storf
KÜNSTLERISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Jenny Flügge
DRAMATURGIE Kerstin Grübmeyer, Michael Nijs


Über die gesamte Spielzeit 11/12 läuft die Recherche zum Thema Gastfreundschaft in der Stadt. In monatlichen Veranstaltungen öffnen wir das Haus interessierten Karlsruhern, die ihre eigenen Gastfreundgeschichten erzählen wollen, und präsentieren erste Ergebnisse der Recherche. Wir schwärmen aus in die Stadt und suchen Orte der Gastfreunschaft auf – oder Orte ihres Scheiterns. Im Mai/Juni 2012 startet die Probenarbeit an einer Inszenierung mit Karlsruher Bürgern und Schauspielern des Ensembles, in der die Rechercheergebnisse mit dem Grillparzertext zusammenkommen.

Interessenten des Projekts können sich jederzeit per E-Mail melden unter gastfreund@staatstheater.karlsruhe.de

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