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MINNA VON BARNHELM

Ein Lustspiel von Gotthold Ephraim Lessing
WIEDERAUFNAHME
25.10.2012 STUDIO

MINNA VON BARNHELM

Mit Wolfram Lotz’ „unmöglichem“ Theaterstück DER GROSSE MARSCH sind sie in den theatralen Ausnahmezustand aufgebrochen, jetzt setzen Simone Blattner und ihre Schauspieler sich mit Lessings Lustspiel Minna von Barnhelm und dem Versuch einer Rückkehr in die Normalität auseinander. In seinem 1763-67 infolge des Siebenjährigen Krieges entstandenen Stück hinterfragt Lessing kritisch den Heldenbegriff seiner Zeit und führt mit viel Humor die fatalen Auswirkungen festgefahrener Traditionen und Wertesysteme auf eine Gesellschaft und ihre Individuen vor Augen. In Zeiten, in denen Kriegsheimkehrer und ihr schwieriger Weg zurück in ein normales Leben wieder Teil unserer deutschen Realität geworden sind, erfährt Lessings Stück eine neue Aktualität.

„Ich ward Soldat aus Parteilichkeit, ich weiß selbst nicht für welche politischen Grundsätze, und aus der Grille, dass es für jeden ehrlichen Mann gut sei, sich in diesem Stande eine Zeitlang zu versuchen, um sich mit allem, was Gefahr heißt, vertraulich zu machen und Kälte und Entschlossenheit zu lernen.“ Major Tellheim ist aus dem Krieg heimgekehrt, ein gebrochener Held, verwundet und entehrt. Weil man ihn wegen einer ungerechten Anschuldigung aus der Armee entlassen hat, steht er plötzlich mittellos und scheinbar ohne Lebenssinn in einer Welt, die er nicht mehr versteht. Zutiefst verletzt in seiner Ehre, verbietet er sich fortan seine Liebe zu Minna von Barnhelm, mit der er seit einiger Zeit verlobt ist. Er will sie nicht in sein Unglück hineinziehen, eine Heirat unter diesen Umständen verträgt sich nicht mit seiner strengen Vorstellung, wie die Welt und er selbst darin zu sein hat. Obgleich Tellheim weiß, dass Minna keine von den Frauen ist, „die in ihren Männern nichts als den Titel und die Ehrenstelle lieben“, weist er ihre Liebe zurück. Aber Minna gibt so schnell nicht auf. Sie reist ihrem Verlobten nach – und mit Einfallsreichtum, List und Humor stellt eine junge, selbstbewusste Frau sich den starren, traditionsgeprägten Mustern männlicher Vernunft. Da Tellheim sich nicht helfen lassen will, heckt Minna einen verwegenen Plan aus, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.

Die Schweizerin Simone Blattner inszenierte u. a. am Bayerischen Staatsschauspiel München, Zürcher Theater am Neumarkt, Basler Theater, Nationaltheater Mannheim, Schauspiel Frankfurt, Staatsschauspiel Dresden und Berliner Ensemble. Ihre Uraufführungen der Stücke Schieß doch, Kaufhaus! und Kränk von Martin Heckmanns wurden zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen.

REGIE Simone Blattner BÜHNE Anna Rudolph KOSTÜME Claudia González Espíndola DRAMATURGIE Tobias Schuster

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