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PETER GRIMES

Volker Kramer schrieb am 08.07.2013:
Die musikalische Umsetzung gelang wirklich grandios. Chor und Extrachor stellen ein gleichwertiges Gegengewicht dar zu John Treleavens überragendem Peter Grimes. Ich habe John in bereits vier Grimes-Produktionen(einschließlich seines Deutschland-Debuts 1991) erlebt und er hat in dieser Rolle eine Durchdringung und Intensität erreicht, die ihn auf eine Stufe mit den größten Grimes-Interpreten stellt. Bravo.
Christopher Alden zeigt bis zur Pause eine bezwingende, faszinierende und berührende Regieleistung. Nach der Pause verwässert er Brittens Absicht, den normalen Durchschnittsmenschen als Wolf im Schafspelz zu entlarven, der unter seiner biederen Oberfläche das Potenzial zu Aufruhr und Gewalt trägt, indem er die Gesellschaft kurzerhand zu Faschisten erklärt. So einfach macht es Britten uns jedoch nicht. Nicht erst durch Faschismus wird aus dem Volk ein heulender Mob, der gegen Außenseiter hetzt. Diese Plakativität im zweiten Teil der Inszenierung hat das Werk nicht verdient. Und wenn Grimes am Ende mit einem Damenstrumpf erdrosselt wird, verzweifelt jeder psychologisch unbelastete Abonnent an seinem Opernführer.
Trotzdem Dank für die musikalische Umsetzung, die einen (wie so oft) über szenische Auswüchse und Absurditäten hinwegtröstet...
Desiree Paul schrieb am 07.07.2013:
Herzlichen Glückwunsch zu diesem grandiosen Saisonabschluss. Das Musiktheater hat mit Peter Grimes, Die Passagierin und Border bewiesen, dass außerhalb des Mainstreams packendes Theater gespielt werden kann. Vielen Dank für den Mut zu diesen sehr guten Stücken, die aufgrund des Themas trotz hervorragender Umsetzung, nicht unbedingt das Haus füllen. Aber genau so soll Theater sein:
den Zuschauer packen und uns Gewissensfragen stellen. Schön, dass dieser Anspruch inzwischen auch im Musiktheater angekommen ist.
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