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PREMIÈRES " Es geht nicht um Gezipark, es geht um unsere Demokratie!"

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„Wir sind die Kinder der 68er, und darum sind wir unpolitisch erzogen worden“, sagte die Performerin Firuze Engin in der aus aktuellem Anlass veranstalteten Publikumsdiskussion im Anschluss an die zweite und letzte Vorstellung der türkischen Performance OLMAMIS MI? aus Istanbul. Alle Künstler hatten in den letzten 10 Tagen an den Demonstrationen um den Gezipark im Zentrum Istanbuls teilgenommen und ihre Erfahrungen mit der Staatsmacht, aber auch untereinander, ihre Gedanken über die Demokratie in der Türkei und die neu gewonnene Sinnhaftigkeit ihres Lebens und ihrer Kunst in die Performance eingebaut. Im FOYER hatten sie eine Installation mit bei den Demonstrationen verwendeten Gegenständen aufgebaut, von Taucherbrillen bis zu wildem Salbei, den sie im Park verbrannt hatten, um das Tränengas zu vertreiben.

„Bis vor 10 Tagen wollte ich eigentlich weg aus Istanbul, aber seit Alt und Jung, Studenten, Künstler, aber auch Händler und Arbeiter gemeinsam den Gezipark besetzt und auf den Straßen Istanbuls und vilerer anderer Städte demonstriert haben, hat mein Leben und Arbeiten in der Türkei einen Sinn“, so der Regisseur Fatih Genckal. „Am ersten Tag warnte mich meine Mutter: Geh nicht hin! Am zweiten Tage fragte sie: Gehst du wieder? Am dritten Tag: Pass auf dich auf. Am vierten: Hier hast Du Milch und Zitronen gegen das Tränengas. Auf geht’s“, so erzählte die Performerin Zinnure Türe von ihrer Politisierung und der Reaktion ihrer Eltern darauf. Das Karlsruher Publikum stellte den jungen Türken Fragen nach der Nachhaltigkeit des Protests, den Ursachen für das Erwachen einer Bevölkerung mitten in einem Wirtschaftsboom, der kontrollierten Berichterstattung der türkischen Medien, der Rolle der neuen Medien wie Twitter und Facebook und der Zukunft von Kunst und Politik. Generalintendant Peter Spuhler, der für einen Opernwettbewerb in Istanbul war und als Augenzeuge in Wort und Bild auf Twitter @PeterSpuhler berichtet hatte, schilderte en detail seine Sicht auf die Massenbewegung und forderte die Europäer auf, von den Umwälzungen Kenntnis zu nehmen. Eine Solidaritätsdemonstration wird heute ab ca. 16 Uhr vom Stephansplatz in der Karlsruher Innenstadt starten.

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