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DAS NEUE STÜCK: Junge Autorin meistert Kindesmissbrauch-Thema

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Ein gebanntes Publikum wohnte am Montag im STUDIO der szenischen Lesung des Stücks von den beinen zu kurz bei, dem Debüt der 22jährigen Autorin Katja Brunner über eine aus den Fugen geratene Kleinfamilie. Der Vater verfällt der Tochter vom Tag ihrer Geburt an. Was für das Mädchen Normalität ist, kann die Gesellschaft nicht hinnehmen. Das Kind findet sich mit der zugeschriebenen Opferrolle nicht ab und hält dem Gerede der Leute zehn Rechtfertigungen seines verhängnisvollen Verhältnisses entgegen.

Der junge Regisseur Eric Nikodym, seit 2011 Regieassistent am STAATSTHEATER, stellte zusammen mit den Ausstatterinnen Annika Gutsche und Johanna Lenz von der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe einen faszinierenden, würfelförmigen Spielraum her, in dem sechs Schauspieler aus dem Ensemble die möglichen Stationen der Tragödie mal konkret, mal assoziativ vergegenwärtigten. Das Stück, für das die Schweizer Autorin zwei Jahre recherchiert hatte, stellte mit furiosem Sprachgewitter die klare Trennlinie zwischen Gut und Böse in Frage. Die Frage, ob die Autorin durch ein weibliches Opfer und einen männlichen Täter herkömmliche Rollenzuschreibungen verfestigt, wurde im Publikumsgespräch kontrovers diskutiert.
Aus den nominierten Stücken für den diesjährigen Mülheimer Dramatikerpreis hatte die Karlsruher Gruppe Spielplan, die regelmäßig Empfehlungen für die Reihe Das Neue Stück ausspricht, von den beinen zu kurz vorgeschlagen. Am Mittwoch 29.5. debattiert die Mülheimer Jury in einer öffentlicher Sitzung, die per Livestream im Internet zu verfolgen ist, über die Preisvergabe.
Das Staatstheater drückt die Daumen!

Am Samstag 13.7. stellt die Dramatikerin Valerie Melichar in Das Neue Stück 13 ihr poetisches Endzeitszenario Sonnenkinder. Sternenstaub. Letzte Televisionen. vor. Die Gruppe Spielplan hat diesen Text aus den Nominierungen für den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2013 ausgesucht.

 

 

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