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Mitwirkende für neues VOLKSTHEATER-Projekt gesucht

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Wer schreibt gern Texte und möchte sie in einer Bühnen-Performance vortragen?
Pascal Rambert, einer der innovativsten französischen Theaterkünstler, erarbeitet in Schreib- und Performanceworkshops zusammen mit 40 Karlsruhern das VOLKSTHEATER-Projekt Eine (mikro)ökonomische Weltgeschichte, getanzt. „Ich suche 40 Leute: Männer, Frauen, die Lust auf Theater und Bewegung haben. Sie brauchen keine Bühnenerfahrung, das ist sogar wünschenswert! Ich suche engagierte, neugierige Leute voller Energie, die auch am Schreiben interessiert sind. Denn sie können während der Aufführung live auf der Bühne Texte schreiben und vortragen.“, so Pascal Rambert, der erstmals in Deutschland inszenieren wird.
Am 19.4. stellte er das Projekt bereits einigen Interessenten im STAATSTHEATER vor. „In der Vorstellungsrunde habe ich gemerkt, dass Pascal Rambert sehr genau wahrnimmt, was jeden Einzelnen ausmacht. Im Vorfeld hatte ich mich gefragt: ‚Kriege ich das hin? Kann ich das?‘. Aber Pascal hat mir gleich meine Ängste und Vorbehalte genommen: es ist völlig egal was ich an Erfahrung und Kompetenz mitbringe. Denn er schafft es, aus diesen unterschiedlichen Leuten eine Gruppe zu bilden, in der jeder das Gefühl hat etwas Besonderes zu sein. Ich bin gespannt, welchen Einfluss wir auf die Inszenierung haben werden. Durch die Ausführungen des Philosophen Emmanuel Alloa denke ich jetzt auch darüber nach, wie ich im Alltag in ökonomische Handlungsprozesse eingebunden bin. Ich freue mich einfach super auf dieses Projekt!“, fasste eine Teilnehmerin ihre Eindrücke zusammen.
Anmeldung zu den Schreib- und Performanceworkshops von Pascal Rambert ist noch möglich.
Die nächsten Termine 10./11.5., 31.5./1.6., 7./8.6.
Endproben ab 17.6., Premiere am 27.6. im KLEINEN HAUS, weitere Aufführungen 3., 6., 12., 14., 17., 19.7. Alle Termine sind abends oder am Wochenende, also außerhalb der üblichen Arbeitszeiten. Anmeldung und Information unter weltgeschichte@staatstheater.karlsruhe.de

Das Stück mit dem komplexen Titel entwickelte er 2010 als Intendant des Pariser Théâtre de Gennevilliers und hat es im Anschluss Theatern in Frankreich und Japan mit der lokalen Bevölkerung neu inszeniert. Die Idee erhielt er zur Zeit der beginnenden US-Immobilienkrise: „In einer französischen Tageszeitung sah ich ein Foto einer amerikanischen Familie, mit Hab und Gut auf dem Bürgersteig vor ihrem Haus sitzend. Da sie die Hypothek nicht mehr abzahlen konnten, hatten sie ihre Wohnung räumen müssen. Wer kann mir das erklären?“

In seinem Theater in Gennevilliers, einer Pariser Vorstadt, lud er drei Jahre lang die Einwohner zu offenen Schreibworkshops ein. Dort hörte er persönliche Texte über die Angst vor der Krise. Er bat den Wirtschaftsphilosophen Éric Méchoulan, zusammen mit den Autoren dieser Erzählungen einen Theaterabend zu machen: in kurzen Szenen geben vier Schauspielerinnen Einblicke in unterschiedlichste ökonomische Systeme. Sie spannen den Bogen von der vorindustriellen Tauschkultur der Südseevölker bis zur Hochfinanz. Ein Philosoph kommentiert die unübersichtlichen Zusammenhänge und Bürger tragen ihre live auf der Bühne geschriebenen Texte vor. Rambert sieht in dieser theatralen Versuchsanordnung eine Gesellschaftsutopie: „40 unterschiedliche Leute, Beamte, Künstler, Arbeitslose, Wissenschaftler, bilden für den Abend eine Gruppe von Gleichen.“

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