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Frauen, Pferde und Musik – MÄNNERPHANTASIEN-Premiere im STUDIO

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„Dies ist Klaus, Klaus hat lange Haare“- mit den beschwingten Liedzeilen von Heinz Rudolf Kunze tritt Klaus Cofalka-Adami auf. Über 100 Minuten verfolgte das gestrige Premierenpublikum der Männerphantasien amüsiert und gebannt, wie Klaus, der Wissenschaftler,  seine Theorien auffächert und sich schließlich in seine Phantasie verstrickt.
Denn er trifft auf vier Frauen, die sinnlich sind und vor allem: in der Überzahl. Veronika Bachfischer, Shari Crosson, Ursula Grossenbacher und Lisa Schlegel wirken wie direkt entsprungen aus Theweleits Bestseller Männerphantasien.

Wer hier was zu sagen hat, den Diskurs führt oder verkörpert, wer sterben muss, wer tötet und wer lieber ins Wasser zurück geht – das verhandeln hier die Frauen mindestens genauso wortmächtig wie: der Klaus. Großen Applaus spendete das Publikum für das Ensemble und die Regie.
Patrick Wengenroth hat, seinem Arbeitsprinzip folgend, in konzentrierter dreiwöchiger Probenzeit eine Bühnencollage aus dem berühmten Buch erstellt, die zugleich Theweleits Thesen präsentiert und in die Phantasien eintaucht, die er analysiert, mit Songs von Udo Jürgens bis Tocotronic, Sabrina Setlur und Gangnam Style. Und der beste Freund des Mannes tritt am Ende auch noch auf - und das ist nicht ein Hund...

Mit Männerphantasien setzt Patrick Wengenroth die Reihe des „philosophischen Theaters“ mit Texten von großen Karlsruher Denkern fort. Seine Realisierung von Du musst dein Leben ändern von Peter Sloterdijk war Auftakt der Spielzeit 2011/12, Stefan Otteni inszenierte Byung-Chul Hans Müdigkeitsgesellschaft und Peter Handkes Versuch über die Müdigkeit im März 13.
Klaus Theweleit war bis 2008 Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seit seinem ersten Buch, seiner Dissertation Männerphantasien, gilt er als eine der intellektuellen Leitfiguren der 70er Jahre, als Querdenker- und Forscher in Geschlechter- und Faschismusfragen, Popkultur, Kulturtheorie und Kunst. Patrick Wengenroth führt mit dem Ensemble die von Theweleit zitierten Phantasien der Freikorps-Männer von 1914-1923 auf, um sie zugleich mit dessen Thesen zu dekonstruieren.
Klaus Theweleit selbst wird die Vorstellung zu einer späteren Vorstellung besuchen, da er am Premierenabend sein neues Buch „Pocahontas II: Buch der Königstöchter" in Berlin vorstellen musste.

Erste Kritiken finden Sie hier bei Nachtkritik oder als dpa-Artikel.

 

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